60 JAHRE ESN

Eine kleine Schulgeschichte von Klaus-Randolf Weiser (2009), ergänzt von Lore Nareyek (2015)

Der Anfang

In den leidenschaftlich geführten Auseinandersetzungen um ein Schulprogramm für Groß-Berlin nach der Katastrophe des 2. Weltkrieges schien sich die reformpädagogisch geprägte Einheitsschule durchzusetzen. Gemeinsames Unterrichten von Jungen und Mädchen, eine achtjährige Grundschule, eine flexible Mittelstufe mit Kursangeboten sollten eine strikte, frühe Trennung der Schülerinnen und Schüler in die verschiedenen Schulformen verhindern und gemeinsames Lernen ermöglichen. Spätestens als sich die neu gegründete DDR für die Einheitsschule entschied, galt diese Schulform – obwohl aus der Reformpädagogik der 20 erJahre stammend – als marxistisch, sozialistisch geprägt und damit verdächtig und inakzeptabel. Einzig die Fritz-Karsen-Schule blieb als „Schule mit besonderer pädagogischer Prägung“ als Einheitsschule erhalten.
In Neukölln, einem Zentrum reformpädagogischer Ideenentwicklung, wurde in diesen Schulkampf hinein 1948 unsere ESN gegründet, gemeinsam mit vorerst vier weiteren evangelischen Privatschulen.

Das Modell der kollegialen Schulleitung und die Umwidmung von Beförderungsstellen schreibt Geschichte im evangelischen Schulwesen.
Das „Team-Kleingruppen-Modell“ wird 1998 für die Jahrgänge 7 und 8 eingeführt. Kleine Klassen (23), ein kleines, eng zusammenarbeitendes Lehrerteam setzten den Schwerpunkt der Arbeit auf den sozialpädagogischen Aspekt schulischer Bildung. Wegen der Raumnot im Hause müssen die vier Klassen jedoch ab neunter Jahrgangsstufe wieder zusammengelegt werden, ein Missstand, den wir erst mit dem Schuljahr 2008/2009 aufgeben konnte, da der Neubau für die Grundschule Klassenräume frei machte. In der Grundschule wird die Wochenplanarbeit in Angriff genommen.

Die 2000-er

Dann wird die Oberstufe doch möglich. Das Gemeindehaus der Genezareth-Gemeinde ist zu groß geworden und bietet Platz – für die ESN. Das Kollegium und voran Dr. Iber, seit 1995 Schulleiter, zögern nicht. Mit vereinten Kräften wird das Projekt realisiert, die Büroräume in der Schillerpromenade umgebaut und 2006 verlässt der erste Abiturjahrgang unsere Schule. Ein Wunder!
Aus Platzmangel ziehen die beiden ersten Klassen in Räume der Nikodemus-Gemeinde, so dass es nunmehr einen Schulbetrieb an drei Standpunkten gibt. Dies ändert sich erst, als auch der Pavillon, ein konstantes Provisorium aus dem Jahre 1976, durch einen Neubau ersetzt und im Rahmen der Feierlichkeiten zum 60-jährigen Schuljubiläum übergeben wird. Sechs Erzieherinnen und drei Erzieher arbeiten mit den Lehrern zusammen und betreuen inzwischen 180 Kinder, das Angebot reicht von 6 Uhr morgens bis 18 Uhr abends, das ganze Jahr durch. Jahrgangsübergreifendes Lernen (JüL) für die Jahrgänge eins bis drei wird in sechs Lerngruppen im neuen Haus angeboten. Durch den Neubau ist seit dem Schuljahr 2009/2010 die Gesamtschule durchgängig vierzügig mit einer Klassenfrequenz von 23 Schülern möglich.

So ist unsere Schule gut aufgestellt, angesehen im Bezirk und strahlt eine freundliche und in vielen Bereichen kreative Atmosphäre aus, geprägt durch eine gute Zusammenarbeit von Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern sowie den vielfältigen sonstigen Dienstkräften.
Einen großen Einschnitt gibt es 2013 durch den plötzlichen Tod des Schulleiters Herrn Weiser, durch den die Schulgemeinde vor große Anforderungen gestellt wird. Es folgt eine umfassende Verjüngung der Schulleitung mit Herrn Knauer-Huckauf als Schulleiter, unter dem wiederum neue bauliche Aufgaben anstehen: Ein Erweiterungsbau in der Biebricher Str. erscheint möglich!

Welch beeindruckende, wunderbare Entwicklung, die hier kurz skizziert wurde. Mehr als 835 Schülerinnen und Schüler werden heute im Hause unterrichtet, die Nachfrage nach Schulplätzen an der ESN ist ungebrochen hoch, unsere Abschlüsse, von der Berufsbildungsreife, dem Mittleren Schulabschluss bis zum Abitur, liegen immer im Spitzenbereich.
Die ESN ist stets modern aufgestellt, da dürfen wir sehr selbstbewusst sein! Unsere Schule im Problembereich Nord-Neukölln passt zu der reformpädagogischen Geschichte des Bezirks.